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Coaches: Warum fehlen die Frauen?

Weibliche Tenniscoaches sind sowohl auf der WTA- als auch auf der ATP-Tour stark untervertreten. Im professionellen Männerzirkus sind weibliche Trainerinnen sogar die absolute Ausnahme. Dies missfällt nicht nur Grand-Slam-Legende Billie Jean King.

Ginge es nach der 39-fachen Grand-Slam-Gewinnerin Billie Jean King, so müsste nicht nur die Tenniswelt deutlich weiblicher sind. Die Amerikanerin ist für ihre kernigen Statements in frauenpolitichen Fragen gleichermassen beliebt wie gefürchtet. Zuletzt galt ihre Kritik dem Fehlen weiblicher Tenniscoaches insbesondere auf der ATP-Tour. Für Billie Jean King ein unhaltbarer Zustand, der dringend verändert werden müsste. ''Das ist ein grosser Fehler, denn wir weiblichen Coaches hätten viel anzubieten, man müsste uns nur fragen'', mokiert sich die 70-jährige Amerikanerin.

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Die immer gleichen Archetypen

Billie Jean King steht mit ihrer These, wonach im Trainerbusiness die immer gleichen Archetypen bedient würden, durchaus nicht alleine da. Auch Andy Murrays Mutter Judy, die ihre beiden Söhne auf Weltklasseniveau betreute, macht ähnliche Probleme geltend.

Beide sind sie überzeugt, dass der Tennissport seit jeher von Männern geprägt, geleitet und gesteuert würde. Der Tennisbetrieb sei somit ein Abbild der Welt, ist Billie Jean King gar überzeugt. Was nach Verschwörung klingen mag, kann mit einer einfachen Auszählfleissarbeit durchaus belegt werden.

Im ATP-Betrieb finden sich unter den Top 100 – Elternbetreuung ausgenommen – kaum eine Handvoll weiblicher Coaches. Und auch auf der WTA-Tour, wo man eigentlich viele weibliche Coaches erwarten würde, kommen auf 10 weibliche Coaches 90 männliche Trainer. Fehlende emanzipatorische Bestrebungen und eine vorherrschende Männerobrigkeit als einzige Gründe aufzuführen, wäre aber dann doch zu einfach.

Coach und Trainingspartner

Brad Gilbert, ehemaliger Top-Ten-Spieler und Erfolgscoach, sieht deutlich pragmatischere Gründe für die aktuelle Dominanz von männlichen Coaches. ''Viele Spielerinnen können es sich nicht leisten, einen Coach und einen Sparringpartner und allenfalls einen Fitnesstrainer zu engagieren. Viele der aufstrebenden Spielerinnen aber schlagen so hart, dass sie nur mit Männern trainieren können. Und hier bietet sich dann eine all-in-one-Lösung geradezu an'', glaubt Gilbert.

Eine der erfolgreicheren weiblichen Coaches ist Biljana Veselinovic, die seit 2010 mit der tschechischen Spielerin Lucia Safarova erfolgreich zusammen arbeitet. Auch ihre Antwort bezüglich der quantitativen Unausgewogenheit zwischen männlichen und weiblichen Coaches auf der Tour fällt überraschend nüchtern aus: ''Immer, wenn ich mich mit Spielerinnen und Trainerinnen über dieses Thema unterhalte, dann ist das Schlüsselwort Lebensgestaltung. 30 und mehr Wochen auf der Tour verbringen zu wollen, das ist eine einschneidende Entscheidung.''

Gerade junge Mütter bräuchten enorm viel Unterstützung, wenn sie sich auf einen solchen Job einlassen wollten. Ihre Kinder sind inzwischen 13 und 18 Jahre alt. Bei ihr waren es ihre Grosseltern, ihr Ex-Mann und eine Nanny, die dies überhaupt ermöglichten.

Workshops für Trainerinnen

Billie Jean King sind solch banale Gründe zu wenig gewichtig, als dass sie dies einfach so akzeptieren würde. Auch eine Umfrage unter Profispielerinnen, wonach eine deutliche Mehrheit schlicht nicht mit weiblichen Coaches zusammen arbeiten wolle, ignoriert King stoisch.

Stattdessen glaubt sie, dass es an der Zeit sei, diese starren Bilder aufzubrechen. Sie selber habe Tim Mayotte trainiert und hätte mit ihm erfolgreich gearbeitet. Und auch andere Beispiele würden belegen, dass weibliche Coaches qualitativ gleich gute Arbeit wie die männlichen Pendants verrichten könnten.

Auch Judy Murray, die sich für das britische Fed-Cup-Team als Captain einspannen liess, denkt in die gleiche Richtung. ''Ich möchte in England in Workshops Trainerinnen für das Leben auf der Tour vorbereiten.'' Und Billie Jean King formuliert es noch deutlicher: ''Unterschätzt uns nicht, wir sind auf dem Weg!''

Von Michael Hasler