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Gstaad: ''Das Mögliche möglich machen''

Ruth Wipfli Steinegger ist Verwaltungsratspräsidentin der Suisse Open Gstaad AG (SOGAG) und beschäftigt sich intensiv mit der Zukunft des Traditionsanlasses. Im Interview spricht sie über die anstehenden Modernisierungen und Herausforderungen und sagt: ''Wir sind ein Boutique-Turnier und wollen das bleiben.''

Frau Wipfli Steinegger, denken Sie oft an das Turnier 2013 mit Roger Federer und Stan Wawrinka?

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Ruth Wipfli Steinegger: Selbstverständlich. Seit unserer Zusammenarbeit mit der Gemeinde Saanen war es vom Spielertableau her der Höhepunkt.

Dann hoffen Sie sicher, dass Roger in diesem Jahr erneut dabei ist…

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wir wissen, dass das Teilnehmerfeld des letzten Jahres keine Selbstverständlichkeit ist. Wir haben einen finanziellen Rahmen und sind kein Grand-Slam-Turnier, sondern müssen uns mit den 250er-Turnieren vergleichen. Wir wollen dem Publikum etwas bieten, hoffen auf ein gutes Ambiente und spannende Spiele.

Als VR-Präsidentin der Suisse Open Gstaad AG leben Sie nicht nur in der Gegenwart, sondern befassen sich intensiv mit der Zukunft…

So ist es. Wir sind ­daran, uns besser zu positionieren, und haben die Projektgruppe 2024 installiert. Gerade im Bezug auf die Infrastruktur müssen wir zulegen.

Machen Sie das freiwillig oder wurde es von der ATP gefordert?

So weit sind wir nicht. Die Freiwilligkeit basiert darauf, dass wir in die Zukunft schauen, und da müssen wir die Konkurrenz im Auge behalten. Wir sehen, wie im asiatischen Raum ­investiert wird – da fliessen Millionenbeträge in die Infrastrukturen. Bei uns ist das beschränkt möglich. Wir müssen das Mögliche möglich machen.

Sie sprechen vom Positionspapier ''Agenda 24''.

Das heisst so, doch wir möchten die Umsetzung der Verbesserung der Infrastruktur in den nächsten Jahren in Angriff nehmen können. Wir sind aber in einem demokratischen Prozess, das heisst, dass die Eisbahn AG die Eigentümerin der Anlagen ist, die von der Sportzentrum Gstaad AG betrieben werden. Es sind verschiedene Players involviert, deren Interessen zusammengebracht werden müssen. Am Schluss geht es um die Kosten.

Modernisierungen und ­Infrastrukturen kosten schnell Millionen.

Das ist so. Aber es geht nicht nur ums Tennis, sondern auch um andere Events. Gstaad wird sich strategische Überlegungen machen müssen, wie es mit den Events weitergehen soll. Es wird ein Prozess geführt werden müssen, wenn es um die Kosten geht, und das ist ein politisches Thema.

Das braucht viel Lobbying und Überzeugungsarbeit ihrerseits, oder?

Ja, und da sind wir sehr froh, dass mit Michel Brand und Marcel Bach im VR der SOGAG zwei Vertreter der Gemeinde Saanen dabei sind. Sie sind gefordert, Kontakte herzustellen, die ­Temperatur zu messen und zu schauen, wie das Projekt aufgegleist werden muss, ­damit es politisch machbar ist.

Worum geht es konkret?

Um eine generelle Verbesserung der Infrastrukturen, vor allem auch in den Bereichen der Tribünenplätze, um die Garderoben, das Parking etc.

Bei der SOGAG sind Swiss Tennis und die Gemeinde Saanen zu je 50 Prozent beteiligt. Ist es einfach, alle Interessen unter einen Hut zu bringen?

Die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, und ich kenne wenige Beispiele mit Konflikten zwischen den Parteien. Am Ende geht es um die Durchführung des Turniers, da steht die Sache im Vordergrund. Wir sind auch auf das lokale Gewerbe und die lokale Bevölkerung angewiesen und wollen ein Ort der Begegnung sein.

Sie führen das Turnier ohne Defizit durch, was nicht einfach ist…

…das ist der Erfolg der Grand Chelem SA, zu welcher wir das ­Turnier operativ ausgelagert haben und die das Risiko trägt. Zusätzlich wird das Turnier von der Gemeinde Saanen unter verschiedenen Titeln unterstützt. Wir von der SOGAG sind für die Qualität zuständig und schauen, dass wir Verbindungen schaffen können.

Haben Sie deshalb den ­Vertrag mit Grand Chelem bis 2021 verlängert?

Der erste Vertrag lief über zehn Jahre, nun haben wir vorzeitig um fünf Jahre verlängert. Es ist für alle Vertragspartner wertvoll, wenn man frühzeitig weiss, wie es weitergeht, und dass man nicht 2015 mit den Diskussionen ­beginnt und 2016 vor einem Scherbenhaufen steht. Diese fünf Jahre geben ­beiden Parteien eine gute Basis. Grand Chelem macht einen sehr guten Job.

Ist der welsche Charme der Firma das Erfolgsgeheimnis?

Der welsche Einfluss wurde uns eher als Kritik entgegengebracht. Es hiess, das Turnier sei zu welsch. Die Berner Oberländer hatten das Gefühl, die Deutschschweiz sei zu wenig beteiligt und fürchteten wohl, die Zuschauer aus der Deutschschweiz zu verlieren. Über diesen Punkt haben wir immer wieder diskutiert und intensiv daran gearbeitet. Denn die Stimmung im Dorf ist uns sehr wichtig. Wir sind auf die Unternehmer, die Kleingewerbler, die Hotellerie – auf alle im Dorf – angewiesen. Ich denke, dass wir den Rank gefunden haben. Die Kritik hat nachgelassen, der Goodwill für das Turnier ist gewachsen.

Das Turnier in Gstaad schreibt schwarze Zahlen. Was sind die Erfolgsfaktoren?

Gstaad hat ein einzigartiges Ambiente, das für die Spieler attraktiv ist. Die Spieler sind sehr gut untergebracht, haben sehr gute Konditionen. Ein Grund ist wohl auch die Tradition. Wir feiern 2015 unser 100-Jahr-Jubiläum, und etwas, was so alt ist, verfügt über eine ­Tradition, die auch Renommee schafft.

Der asiatische, arabische, südamerikanische und indische Raum sind aber eine grosse Konkurrenz.

Das ist so. Im Moment haben wir zwar keinen konkreten Druck der ATP, aber wir müssen an der Weiterentwicklung arbeiten. Unter dem Slogan 2024 sollen in den nächsten drei bis sechs Jahren die Infrastrukturen verbessert werden. Dabei ist viel abhängig von politischen Prozessen.

Federer und Wawrinka sind nicht bis 2024 dabei. Haben Sie keine Angst, wenn es um den Nachwuchs geht?

Angst ist das falsche Wort. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir mit diesen Topspielern in einer einmaligen Situation sind. Es ist ein Traum, und es kann niemand davon ausgehen, dass sich das Schweizer Tennis auf diesem Level halten kann. Mein Herz schlägt aber fürs Tennis generell, und ich finde, dass auch ein Interclub- oder Junioren-Match spannend sein kann. Aber klar, die Ansprüche des Publikums sind mit den Erfolgen stark gestiegen. Zudem wissen wir, dass die Schweizer gerne Schweizer sehen.

Ist es auch eine Option, ein Einladungsturnier mit Frauen und Männern durchzuführen?

Nein, solche Diskus­sionen werden momentan nicht geführt. Wir sind ein Boutique-Turnier und wollen das bleiben. Einerseits wegen der Grösse, andererseits wegen der Qualität.

Von Andy Maschek