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Swiss Indoors: Ein TV- Schwergewicht

Daniel Chambon vermarktete TV-Sportrechte in Australien, war dann Tennisdirektor bei Eurosport und berät heute exklusiv Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald unter ­anderem im Bereich der globalen TV-Rechte.

Im Interview spricht er über den grandiosen Stellenwert der Swiss Indoors im Rahmen der ATP World Tour, die innovative Kraft von Roger Brennwald und betont die unumstössliche Wichtigkeit der jeweiligen Weltranglistenersten für das Basler Prachtsturnier.

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Herr Chambon, wir erreichen Sie  telefonisch in Hong Kong, was machen Sie dort zurzeit?

Daniel Chambon: Ich bin zurzeit geschäftlich in Hong Kong.

Ist das ein normaler Tag in ihrem Leben?

Ja, Reisen gehört zu meinem Leben. Und Asien gehört für mich ganz natürlich dazu. Ich bin in Australien aufgewachsen, bin Australier und habe bei meinem Pendeln zwischen Europa und Australien auch immer wieder viel Zeit in Asien verbracht. Ich bin sehr vertraut mit dem asiatischen Raum und bewege mich hier sehr gerne.

Wie genau würden Sie Ihren Beruf umschreiben? Sind Sie ein TV-Rechte-Broker?

Nun, das ist etwas kompliziert. Ich bin heute Berater von Swiss-Indoors-Präsident Roger Brennwald in verschiedenen Bereichen, vor allem was die TV-Rechte der Swiss Indoors Basel angeht. Im Weiteren bin ich tätig für die Entwicklung von neuen Technologien und deren Adaption.

Arbeiten Sie heute exklusiv für Roger Brennwald?

Ja, heute schon. Ich habe während vieler Jahre eine eigene Firma geleitet und hatte diverse Auftraggeber. Aber heute arbeite ich nur noch für Roger Brennwald und sein Team.

Sie waren mehr als ein Jahrzehnt lang Tennisdirektor von Eurosport. War das der Einstieg in ihr heutiges Business?

Vor Eurosport habe ich im Bereich von TV-Produktionen und auch hinsichtlich der Vermarktung von TV-Rechten in meiner eigenen Firma in Australien gearbeitet. Das hiess konkret, dass ich etwa die Fussball-Champions-League-Rechte für Australien aushandelte oder aber auch die TV-Rechte der italienischen Fussballliga (Serie A) regelte. Dann war ich beispielsweise auch für die Tour de France in Australien verantwortlich. Zusammengefasst habe ich im Sportbereich einen Grossteil der europäischen TV-Rechte zwischen Australien und Europa ausgehandelt. Als die damalige SRG beispielsweise die TV-Rechte für die Australian Open haben wollten, habe ich die Verhandlungen geführt. Ich war damals auch auf Mandatsbasis für die Australian Open tätig. Mein Einstieg ins TV-Business passierte sehr natürlich. Die französische TV-Kette TV 1 (die Eurosport gehört) hat mir im Zusammenhang mit meinen Bemühungen um die Tennisrechte in Australien angeboten, als Tennisdirektor bei Eurosport ein­zusteigen. Das war ein Angebot, das ich natürlich nicht ausschlagen konnte.

Was fasziniert Sie am Tennissport? Wieso sind Sie am Ende nicht beim Fussball oder Radsport gelandet?

Tennis als saubere Sportart und faszinierendes Spiel ist mir sehr, sehr nahe. Am Tennisbusiness hat mir der ''Hunger'' aller Beteiligten gefallen. Ich hatte stets das Gefühl, dass die involvierten Menschen interessiert waren, diesen Sport weiter zu entwickeln, dass sie offen für technische Entwicklungen und an der Evolution der globalen Märkte interessiert waren. Mir hat das ungemein entsprochen. Und spannend fand ich auch den globalen Charakter des Tennissports. Wir haben heute wunderbare Turniere auf allen Kontinenten der Welt, sei es in Europa, Amerika, aber auch in Asien und Südamerika.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Roger Brennwald und den Swiss Indoors Basel?

Ich kenne Roger Brennwald mittlerweile seit 25 Jahren. Ende der 80er-Jahre entdeckte er zusammen mit mir Eurosport und die damit verbundenen Möglichkeiten im TV-Markt. Seit dieser Zeit haben wir eine hervorragende Zusammenarbeit, die stets auf der Basis von Anstand und Respekt funktioniert. Ich habe Roger Brennwald im Gegensatz zu manch anderen Turnierdirektoren als offenherzigen, umsichtigen und visionären Menschen erlebt. Schon sehr früh hat er mir signalisiert, dass er – sollte ich Eurosport dereinst verlassen – mit mir zusammen arbeiten möchte. 2001 habe ich Eurosport verlassen und danach noch enger mit ihm kooperiert. Dennoch betreute ich zu jener Zeit noch rund 60 Turniere, dazu gehörten ATP- und WTA-Turniere aber auch Grand-Slam-Turniere und der Davis Cup. Heute bin ich in der privilegierten Lage, exklusiv für die Swiss Indoors tätig zu sein.

Wo wird Ihre Arbeit mit Blick auf die Swiss Indoors Basel konkret sichtbar?

2009 haben wir die Swiss Indoors aus der ATP-World-Tour-250-Kategorie in die ATP-World-Tour-500-Klasse gebracht. Gleichzeitig haben wir das Preisgeld verdoppelt. Und für meine Arbeit und für die Setzung des Turniers im globalen TV-Markt massgebend sind wir zusammen mit den damaligen Masters 1000-Turnieren in ein TV-Rechte-Package eingestiegen. Der Aufstieg in die Champions League des Tennis hat uns viel Prestige eingetragen aber auch erhebliche Mehrarbeit verursacht. Es war ein echter Quantensprung in der bislang 44-jährigen Turniergeschichte.

Sie sagen Quantensprung. Welche Faktoren waren für den Aufstieg von Basel mitentscheidend?

Es lief weltweit ein Bewerbungs-Verfahren. Zusammen mit Marc Zimmermann vom Turnier-Management erstellten wir ein 60 Seiten umfassendes Dossier. Es galt, die eigenen Vorteile ins rechte Licht zu rücken, vergleichbar mit einer Firma, die den Gang an die Börse wagt. Für die Swiss Indoors sprachen in erster Linie die Tradition und Verlässlichkeit des Veranstalters, das geschlossene Teamwork innerhalb der Organisation und nicht zuletzt die günstige Lage und Infrastruktur im Herzen Europas. Basel hat den stolzen Besitzstand in der ATP-Tour Schritt für Schritt aufgebaut. Zudem unterstützten wir die Ideen der ATP Tour immer hautnah. Das süsse Parfüm des Erfolges (starke Felder, Champions von Weltruf) ebnete Basel den Weg in die Beletage.

Mit wem verhandeln Sie? Wer sind ­Ihre Adressaten?

Ich verhandle direkt mit Firmen, welche die TV-Rechte von 170 Ländern verwalten. Das ist ein riesiger Markt. Roger Brennwald hat früh erkannt, wie wichtig es ist, im Bereich der TV-Rechte eine breite Abstützung zu haben. Einige Turnierdirektoren haben dies unterschätzt und sich nur auf den Heimmarkt und den Hospitality-Bereich konzentriert. Das klingt sehr technisch. In der Regel entscheidet jedoch das Tableau, das heisst die Qualität der Spielerfelder darüber, wie gut ein Package im Markt steht. Spielt beispielsweise Nikishori, ist die Ausgangslage für den asiatischen Markt eine ganz andere.

Basel generiert extrem gute Reichweiten. 2013 erreichte man 14,46 Millionen Zuschauer in 75 Ländern.

Sie sind gut informiert. Das sind natürlich beeindruckende Zahlen. Diese sind nur möglich, weil die Swiss Indoors alles daran setzen, die jeweiligen Weltnummern 1 nach Basel zu holen. Dies hat meine Arbeit natürlich extrem erleichtert, mich in eine formidable Position gebracht. Schauen Sie, wenn ich vermelde, dass bei meinem Turnier die Weltnummer 40 – ein gewisser Daniel Chambon beispielsweise – antritt, dann interessiert das logischerweise niemanden. Und die erstaunlichen Zahlen der Swiss Indoors sind ein direkter Spiegel des Spielerfeldes. Roger Brennwald hat hier Grandioses ­vollbracht.

Können Sie die Zahlen von Basel für uns einordnen?

Was man aus helvetischer Sicht ­gerne vergisst, ist die Tatsache, dass ­Basel in einem hart umkämpften globalen Geschäft bestehen muss und dies mit Bravour tut. Basel ist das drittgrösste Hallenturnier der Welt nach Paris-Bercy und dem Masters in London. Die Swiss Indoors sind aber auch deshalb zu dem geworden, was sie heute sind, weil sie ein grossartiges Publikum vor Ort erreichen.

Im Schweizer Mark erreichten die Swiss Indoors 2013 etwa 2,23 Millionen Menschen – ein guter Wert?

Das ist ein kolossaler Wert! Die Spitzenübertragungswerte der Swiss Indoors Basel (2013: 370'000 Zuschauer) sind mit den Einschaltquoten bei einem Fussball-Länderspiel vergleichbar. Das sagt alles. Das hat natürlich auch mit der Qualität der Übertragung durch das SRF und die Aufarbeitung des Events zu tun.

Besitzen die Swiss Indoors mit Blick auf die TV-Reichweite noch Wachstumspotenzial?

Grundsätzlich sind wir darauf bedacht, zum jetzigen Besitzstand Sorge zu tragen. Immer nur weiter wachsen heisst nicht unbedingt auch mehr Erfolg haben. Vordergründig für die Swiss Indoors ist die Fortführung der hervorragenden Zusammenarbeit mit den bestehenden Partnern, in erster Linie mit dem Schweizer Fernsehen.

Wie wichtig ist es für Ihre Arbeit, dass Basel mit Roger Brennwald seit mehr als 40 Jahren den gleichen Chef hat?

Wenn es Roger Brennwald nicht gäbe, gäbe es keine Swiss Indoors und ich wäre nie in diese Situation gekommen. Das Lebenswerk von Roger Brennwald ist unbeschreiblich und kann man in Worten alleine nicht ausdrücken.

Die globalen Übertragungszahlen sind von 2012 bis 2013 um fast 30 Prozent gewachsen. Welche Märkte werden punkto Broadcasting noch besonders zulegen? Asien? Afrika/Mittlerer Osten? Oder Südamerika?

Es gibt Länder mit einer höheren oder eine tieferen Sättigung. Ich denke, in Europa ist Frankreich TV-mässig am meisten ausgereizt. Deutschland befindet sich am anderen Ende der Leiter. Dort liegt eine ganze Tennisnation brach. Asien beispielsweise ist dank Nikishori gut abgedeckt. In den USA und in Südamerika fehlt abgesehen von Juan Martin Del Potro ein weiterer grosser Spieler, der diese Märkte erobern könnte.

Wie wichtig ist Pay-TV im Tennis-TV-Markt?

Das ist ein enormer Markt. Keine grosse TV-Kette kann es sich heute noch leisten, keine Pay-TV-Angebote anzubieten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer wollen sich Matches zeitverschoben ansehen und sind auch bereit, dafür Geld zu bezahlen. Viele der Pay-TV-Sender, die vor Jahren noch belächelt wurden, sind nun auf einem zukunftsträchtigen Weg.

Die Swiss Indoors sind eine wunderbare Erfolgsgeschichte. Gibt es Dinge, die Ihre Arbeit dennoch schwierig machen?

Ja klar. Die gibt es immer wieder. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das gehört nicht nur zum Tennis sondern auch zum Leben.

Michael Hasler

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