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Swiss Indoors: Duell der Eitelkeiten?

Eigentlich hätten die mittlerweile 44. Swiss Indoors in Basel durchaus das Potenzial gehabt, eine der glanzvollsten Tennisopern überhaupt in der immens erfolgreichen Geschichte des Events werden zu können. Doch die feinen sportlichen Töne wurden von dissonanten Neben­geräuschen der beiden Hauptfiguren überschattet.

Eigentlich müsste der Nachhall der erneut grossartig organisierten und inszenierten Swiss Indoors Basel die Geschichte der Wiederkehr des so lange erwarteten Rafael Nadal in Basel sein sowie den spielerisch wahrlich royalen Triumph des Tennismaestros Roger Federer tradieren.

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Das mittlerweile 44. Turnier in der Rheinstadt hätte allein wegen seines imposanten Tableaus mit Federer, Nadal, Wawrinka, Raonic, Dimitrov und natürlich auch Goffin grosses mediales Getöse verdient gehabt. Den Swiss Indoors hätte zugestanden, als der grösste Schweizer Sportevent – der er seit Jahren ist – entsprechend gewürdigt zu werden. Als ein Turnier wahrgenommen zu werden, das mit einem Budget von rund 18 Millionen Franken und einem Preisgeld, das an der 2-Millionen-Euro-Marke schrammt, superlativen Atem in ein Land trägt, welches sich ansonsten vor allem durch unternehmerische Vernunft und Zuverlässigkeit profiliert.

Doch am Ende war es ein mittlerweile verkorkster Zwist zwischen den beiden grossen Figuren in Basel – Turnierdirektor Roger Brennwald und Publikums­verzücker Roger Federer – der die Schlagzeilen des Weltturniers unnötigerweise dominierte. Ein Streit notabene, der so verworren wirkt, dass er sich wohl nicht einmal mittelfristig entwirren lässt.

Mutmassungen, aber wenige Fakten

Darüber, wann genau die Spannungen zwischen Roger Brennwalds Erfolgsunternehmen und Roger Federers Team begannen, gibt es viele Mutmassungen, bunte Geschichten, aber wenig gesicherte Fakten.

Klar ist, dass Roger Federer und sein Management 2010 durchblicken liessen, dass sie im Falle des Verkaufs der Swiss Indoors Basel dereinst interessiert sein würden, das Turnier zu übernehmen. Als Tennisbeobachter könnte man dies als höchstmögliches Kompliment an Roger Brennwald interpretieren oder eben auch als – mitunter bedrohliche – Absichtserklärung.

Gesichert ist auch, dass das Verhältnis zwischen dem genialen Turnierdirektor und dem magistralen Tennistitan 2012 weiter vergiftet wurde, als Roger Brennwald die ins Stocken geratenen Vertragsverhandlungen mit Federer publik machte. Besonders delikat: Brennwald sprach auch über konkrete Zahlen im Zusammenhang mit der Verpflichtung von Roger Federer. Dies war gleichbedeutend mit dem wischenzeitlichen Tiefpunkt der Arbeitsbeziehung zwischen den Swiss Indoors Basel und Roger Federer.

2014 nun schien sich die Lage zwischen den beiden Lagern entspannt zu haben. Diesen Schluss zumindest schien ein offizielles Communiqué der Swiss Indoors zuzulassen. Denn bereits im April wurde dort der Start des bis heute vertragslos in Basel spielenden Federers angekündigt.

Neue Vermarktungsfirma

Immerhin herrschte bis zu den eigentlichen Turniertagen in Basel mit Blick auf das Verhältnis zwischen Federer und den Swiss Indoors medial gesehen relative Funkstille. Doch jene Ruhe erwies sich als trügerisch. Nachdem am Viertelfinaltag, also dem 26. Oktober, im Rahmen einer Pressekonferenz darüber orientiert wurde, dass das Sportmarketing-Unternehmen InfrontRingier künftig die Vermarktung der Mainsponsor-Pakete der Swiss Indoors übernimmt, brachte dies neuerlich eine mediale Lawine ins Rollen.

Die Swiss Indoors bezeichneten die Kooperation als einen rein strategischen Entscheid. Als ''Basler Hilferuf'' ordnete die NZZ den Entscheid ein. Die Organisatoren betonten, dass die Fäden für die Vermarktung und Positionierung des Events in den Händen des Teams von Präsident Roger Brennwald bleiben würden.

Auf der offiziellen Homepage präzisierten die Swiss Indoors ihren Entscheid: ''Präsident Roger Brennwald setzt für die Penetra­tion des globalen Markts auf das dichte Netzwerk von InfrontRingier.'' Ausgedeutscht heisst dies nichts weniger, als dass die Agentur jene Lücke füllen soll, welche der erzwungene Rückzug von Davidoff 2010 als Titelsponsor hinterliess. Branchenkenner schätzen, dass sich die Oettinger Group jährlich mit 5 Millionen Franken engagiert hatte.

InfrontRingier: Rasanter Aufstieg

InfrontRingier entwickelte sich innerhalb von drei Jahren zur wichtigsten Marketingagentur der Schweiz. Das Tochterunternehmen des Medienhauses Ringier besitzt unter anderem die Rechte an der ­Super League, am Fussballcup, am Eishockeycup und an der Tour de Suisse.

Taktisch geschickt liess Ringier-CEO Marc Walder durchblicken, wie wichtig Roger Federer für das Turnier sei und man sicher die Gespräche mit ihm suchen werde. Walder prosaisch: ''Wir wollen versuchen, Brückenbauer zwischen den Swiss Indoors und Roger Federer zu sein.''

Federer brüskiert?

Wäre Federer nicht jener schier mythisch verklärte Volksheld für die Schweiz und wäre das Verhältnis zwischen ihm und Brennwald nicht ein ohnehin beschwertes, kaum denkbar, dass dieser strategische Entscheid solche medialen Wellen geworfen hätte. Am Sonntag griff aus Deutschschweizer Sicht vor allem die ''SonntagsZeitung'' der Tamedia AG das Thema äusserst prominent auf und titelte: ''Heimturnier brüskiert Federer''.

Der folgende Leitartikel kreiste dann unter anderem auch um Federers neu gegründete Agentur ''Team 8'' (der Manager Tony Godsick und weiter Teilhaber angehören), die ihrererseits Interesse gehabt hätte, die Swiss Indoors als Agentur zu begleiten. Aktuell hat ''Team 8'' die beiden Weltklassespieler Grigor Dimitrov und Juan Martin del Potro unter Vertrag. Schwer zu sagen, wie sich die Geschichte der beiden mächtigen Rogers rund um die Swiss Indoors weiterspinnen wird.

Noch hoffen alle Partner auf ein Happyend. Klar ist, dass die Swiss Indoors Federer so sehr brauchen wie ehedem. Und sicher ist auch, dass auf InfrontRingier herkulische Aufgaben warten: das Auffinden eines Titelsponsors für die Swiss Indoors und das Brückenfinden zwischen zwei herausragenden Persönlichkeiten, die ihre letzte Verbindung gerade gekappt haben.

Michael Hasler