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Günthardt: ''Hingis ist Wunschkandidatin''

Mit einem 3:1-Sieg gegen Schweden sicherte sich das Schweizer Fed-Cup-Team die Chance, am 18. und 19. April gegen Polen in die Weltgruppe I aufsteigen zu können. ''smash'' traf in Schweden Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt und sprach mit ihm über die Zukunft und das Potenzial seiner Equipe, aber auch über Hierarchien im Fed-Cup-Team.


Zeitgleich mit Ihrem 56. Geburtstag sicherte sich das Schweizer Fed-Cup-Team in Schweden mit einem 3:1-Sieg die Chance, in die Weltgruppe I aufsteigen zu können. Sie müssen ein glücklicher Captain sein?

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Heinz Günthardt: Ja, ich bin glücklich und vor allem zufrieden. Natürlich sind wir mit Blick auf die Weltrangliste als Favoritinnen in diese Partie gegangen. Allerdings sind es immer zwei Paar Schuhe, auf dem Papier zu dominieren und dies dann auch auf dem Platz umzusetzen. Aber wir haben hier auswärts sicher gewonnen und die Leistungen meiner Spielerinnen waren wirklich gut.

Viele Beobachter sind natürlich davon ausgegangen, dass Belinda Bencic nach ihren phantastischen Resultaten 2014 als klare Nummer 1 im Team nach Schweden anreisen würde. Nun hat die 2014 konstant gut spielende Timea Bacsinszky sie knapp überholt (WTA 26 gegen WTA 37). Hat das mit Blick auf die Teamdynamik oder die Teamhierarchie etwas verändert?

Für meine Arbeit als Teamcaptain sind die Weltranglisten-Klassierungen meiner Spielerinnen nicht besonders wichtig. Für mich viel entscheidender wiegt die Tatsache, dass ich zwei ähnlich gut klassierte Spielerinnen habe und sich diese gegenseitig pushen können. Die Hierarchie innerhalb des Teams ist deshalb überhaupt nicht problematisch. Ich ­habe mich über das prächtige letzte Jahr von Belinda Bencic sehr gefreut. Dass Timea Bacsinszky nun sogar vor ihr liegt, ist für mich ein Geschenk. Das Team, das aktuell in Helsingborg antrat, ist das Beste in meiner bisherigen Zeit als Fed-Cup-Captain. Das Potenzial ist zudem gewaltig, können doch Spielerinnen wie Stefanie Vögele oder Romina Oprandi jederzeit wieder zum Team dazustossen.

Sie sprechen die grossen Abwesenden an. Ihre Teamselektion berücksichtigte neben Timea Bacsinszky und Belinda Bencic auch Viktorija Golubic und Xenia Knoll. Vögele und Oprandi fehlten. Wieso?

Die beiden Spielerinnen fehlten wegen verschiedener Gründe. Stefanie und Romina haben beide eine schwierige und problembehaftete Saison 2014 hinter sich. Ich habe mit ihnen natürlich darüber gesprochen und wir sind zum Schluss gekommen, dass sie ihre Energie nun darauf konzentrieren, bei den anstehenden WTA-Turnieren Punkte zu gewinnen und wieder Tritt zu fassen. Aber um das nochmals ganz klar zu betonen: Das bedeutet nicht, dass ich die beiden Spielerinnen künftig bei meiner Selektion nicht wieder berücksichtigen werde. Das Bild und die Selektion in Schweden sind eine Momentaufnahme.

Nach ihren exzellenten Resultaten auf der WTA-Doppeltour und dem Grand-Slam-Erfolg im Mixed-Bewerb bei den Australian Open müsste eigentlich auch Martina Hingis eine Kandidatin für eine Rückkehr ins aktuelle Fed-Cup-Team sein. Ist das nur ein Wunschdenken oder wie schätzen Sie das ein?

Natürlich ist sie eine Wunschkandidatin! Martina Hingis ist noch immer sehr verbunden mit dem Fed-Cup-Team. Sie war eine der ersten, die mir nach unserem Sieg eine Glückwunsch-SMS geschickt hat (Heinz Günthardt nimmt sein Handy hervor und belegt seine Aussage mit einer Kurznachricht der ehemaligen Weltranglistenersten).

Es ist deutlich spürbar, dass der Teamgeist und die Energie im aktuellen Fed-Cup-Ensemble ausgezeichnet sind. Den Spielerinnen scheint es Spass zu machen, für ihr Land antreten zu dürfen. Wenn nun eine etwas ältere Spielerin wie Martina Hingis ins Team zurückkehren würde, die zudem die Nummer 1 der Welt war, könnte das diese jugendliche Dynamik mitunter auch stören?

Ich verstehe meine Rolle als Captain darin, die besten Spielerinnen unseres Landes aufzustellen. Martina Hingis ist zweifelsohne eine der besten Doppelspielerinnen der Welt und könnte unserem Team etwas geben, das uns noch stärker machen könnte. Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass dies unserer Dynamik etwas anhaben könnte.

Das Schweizer Männerteam hat gerade den Davis Cup gewonnen. Wäre es denkbar, dass das aktuelle Frauenteam dereinst den Fed Cup gewinnen könnte?

Das wäre nun etwas allzu schwelgerisch. Ich bin eher dafür, Schritt um Schritt zu machen. Zuerst müssen wir den Aufstieg in die Weltgruppe I realisieren, was schwierig genug werden dürfte. Und dann muss man realistisch sagen, dass die Topteams in der Weltgruppe I natürlich ein ganz anderes Kaliber sind als etwa das schwedische Fed-Cup-Team.

Die Schweiz trifft beim besagten Aufstiegsspiel in die Weltgruppe I auf Polen. Wie schätzen Sie die Gegnerinnen ein?

Wir hätten natürlich gerne in der Schweiz gespielt, aber der Umstand, in Europa antreten zu können, ist schon einmal positiv. Anders als die Schweiz besitzen die Polinnen mit Agnieszka Radwanska eine Topten-Spielerin. Unser Team ist dafür ­homogener, was auch ein Vorteil ist. Ich denke, dass unsere Chancen durchaus intakt sind.

 

Mit Hingis gegen Polen?

Das Gerücht, wonach Martina Hingis tatsächlich bereits gegen Polen zur Fed-Cup-Equipe stossen wird, hält sich hartnäckig. Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach: ''Martina hatte zu Swiss Tennis in der Vergangenheit immer einen sehr guten Kontakt. Ich weiss, dass sie eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio anpeilt. Und hierfür müsste sie zwingend am Fed Cup teilnehmen.'' Konkret müsste sie ab der kommenden Partie bei sämtlichen Fed-Cup-Partien anwesend sein. ''Ihre Doppelstärke rechtfertigt das sicher. Schade, dass das ­Doppel beim Fed Cup jeweils die letzte gespielte Partie ist'', hält Stammbach fest.

Yves Jaton/Helsingborg