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Die besten Comebacks der Tennis-Geschichte

Mythen, Legenden, Helden - die Tenniswelt ist voll davon. Einige Spielerinnen und Spieler verschafften sich auch dadurch eine besondere Ausstrahlung, dass sie unerwartet auf die grosse Bühne zurückkehrten. Wir präsentieren die Top 8 der beeindruckendsten Comebacks.

Björn Borg ❘ 1991

Der mythische Schwede hatte mitten in seinen Zwanzigern genug vom Tennis und verabschiedete sich völlig überraschend von der Tour. Mehr als eine Dekade später gab er nach geschäftlichen Rückschlägen 1991 in Monte Carlo ein viel beachtetes Comeback. Borg wäre nicht Borg, hätte er es sich nehmen lassen, bei seinem Comeback abermals auf sein kultiges Holzracket zu vertrauen. Sportlich blieb der Neustart bei aller Liebe für Nostalgie allerdings arg bescheiden. Der Schwede sammelte auf der Tour zwölf Niederlagen ein und konnte kein einziges Mal als Sieger vom Platz gehen.

Monica Seles ❘ 1995

1993 wurde Monica Seles während eines Matches gegen ihre damals allzu oft unterlegene Dauerrivalin Steffi Graf von einem Fan der Deutschen mit einem Messer attackiert. Seles trug nicht nur eine Stichwunde, sondern vor allem auch ein Trauma davon. Lange war es still um sie. Auf Bildern war zu erkennen, dass das grösste Tenniswunderkind ihrer Zeit deutlich an Gewicht zugelegt hatte und mit Depressionen kämpfte. 1995 dann ihr Comeback, das ihr die Sympathien der globalen Tennisfamilie sicherte. Seles gewann nach ihrem Comeback weitere zwanzig Titel auf der Tour, darunter 1996 den Grand-Slam-Pokal an den Australian Open.

Andre Agassi ❘ 1999

Gut, der konstanteste und psychisch stabilste Spieler war Andre Agassi nie. Dies belegt auch seine wundervolle Autobiografie. Dass er nach seinem Wimbledonsieg 1992 aber bis 1997 auf Platz 141 im Ranking absteigen würde, hatte, gemessen an seinem Potenzial, nun niemand wirklich vermutet. Aber Agassi kämpfte sich zurück, verkam vom Lustspieler zum Fitnessfanatiker und gewann 1999 tatsächlich die French Open. Dies machte ihn zum ersten Spieler in der Geschichte, der alle Grand-Slam-Turniere auf drei ­verschiedenen Unterlagen gewonnen hatte.

Jennifer Capriati ❘ 2001

Als sie 1991 mit süssen 15 Jahren die Halbfinals an den US Open erreichte, war Jennifer Capriati nichts weniger als die auserwählte Heilsbringerin einer Tennisnation. Dass dies möglicherweise zu früh und zu heftig war, monierten Skeptiker bald einmal – und sollten recht behalten. Nur drei Jahre später war die Karriere der Amerikanerin erst einmal auf Eis gelegt. Im Besitz von Cannabis wurde sie von der Polizei aufgegriffen und prompt verhaftet. Schon vorher sickerten immer wieder Gerüchte über ihren Alkohol- und Drogenkonsum durch. Capriati brauchte Jahre, um sich von diesem Niederschlag zu erholen, tat dies aber in schillerndster amerikanischer Weise. Ihr medial befeuertes Comeback mündete 2001 in grandiose Siege an den Australian und French Open.

Goran Ivanisevic ❘ 2001

Vielleicht das schönste Comeback überhaupt bescherte der exzentrische Aufschläger Goran Ivanisevic der Tennisneuzeit. Immer wieder hatte er in der Blüte seiner äusserst erfolgreichen Karriere den Anlauf unternommen, in Wimbledon zu triumphieren, und war ebenso oft – zuweilen tragisch – gescheitert. Umso erstaunlicher, dass er im Sommer 2001 – weit jenseits seines Karrierezenits und mittlerweile nur noch auf Rang 125 im ATP-Computer geführt – mit einer Wildcard antretend das Finale in Wimbledon erreichte. Dort bezwang er in einem packenden und hoch emotionalen Match den Australier Pat Rafter.

Martina Navratilova ❘ 2003

Als sie 1994 den Centre Court von Wimbledon verliess, sollte dies für die damals knapp 38-jährige Martina Navratilova eigentlich das wohlverdiente Ende einer ungeheuerlich erfolgreichen Karriere als Einzel- und Doppelspielerin sein. Aber die Altmeisterin konnte es nicht lassen, spielte im Training noch immer mit ungeheuerlicher Intensität und kehrte 2000 und im Alter von bald 44 Jahren noch einmal auf die Tour zurück. Dort sicherte sie sich als älteste Spielerin aller Zeiten 2003 mit mittlerweile bald 47 Jahren den Mixed-Titel in Wimbledon. Offiziell zurückgetreten ist sie übrigens erst 2006, notabene mit 50 Jahren.

Serena Williams ❘ 2007

Bis 2002 hatte Serena Williams die Tenniswelt im Sturm genommen und wirkte mit ihren harten Grundschlägen und ihrem gewaltigen Service bald einmal als so gut wie unbezwingbar. Tatsächlich setzte sie sich locker an die Spitze der Tennisweltrangliste und schien dort ewig verharren zu können. Doch Verletzungen und Motivationsprobleme sowie schwere Depressionen im Zusammenhang mit dem Mord an ihrer Schwester Yetunde liessen sie und ihr Spiel zerbrechen. Bis 2007 rutschte sie im Ranking auf Position 140 ab und schien am Ende angekommen zu sein. Was dann folgte, war nichts weniger als ein amerikanisches Märchen. Williams gewann im gleichen Jahr die Australian Open und dominierte – zugegeben mit Unterbrüchen – die Tennis-WTA-Welt bis heute quasi nach Belieben. Inzwischen ist sie 33,5 Jahre alt, hat 19 Grand-Slam-Titel gewonnen und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht.

Kim Clijsters ❘ 2009

Als Kim Clijsters 2007 ihren Rücktritt vom Profitennis erklärte, war sie zwar erst 24 Jahre jung, durfte aber auf eine erfüllte und erfolgreiche Karriere zurückblicken. Die Belgierin hatte ein Grand-Slam-Turnier gewonnen und war zudem während vier Wochen die Nummer 1 der Tennisweltrangliste gewesen. Umso überraschender eigentlich, dass sie bereits im März 2009 als frischgebackene Mutter auf einer Pressekonferenz in ihrem Tennisclub in Bree ihr Comeback ankündigte. Den Grund für ihre wiedergefundene Motivation benannte sie mit einem Showmatch zwischen ihr und Steffi Graf in Wimbledon. Was folgte, war eines der wunderbarsten Comebacks auf der WTA-Tour überhaupt. Sechs Monate nach ihrer Ankündigung gewann die Belgierin an den US Open ihren zweiten Grand-Slam-Titel. Bis 2011 triumphierte sie erneut in New York und zusätzlich auch an den Australian Open. Zu Recht galt sie bei den Tennisfans der ganzen Welt als Königin der Herzen.

Michael Hasler