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Olympia vor Augen - nutzt die Schweiz ihr Potential aus?

Vom 6. bis 14. August finden im Rahmen der Olympischen Spiele auch die Tenniswettkämpfe statt. Im Vorfeld wurde viel über das Schweizer Kontingent und die Selektionskriterien diskutiert – oft leider ohne das entsprechende Hintergrund-wissen. smash hat das Wichtigste zusammen getragen und mit Alessandro Greco, Leiter Spitzensport bei Swiss Tennis, über das anstehende Olympia- Turnier gesprochen.

Dass die Schweiz eine Tennisgrossmacht ist, mehrere Grand-Slam-Sieger in ihren Reihen ausweisen kann und aktuell zwei Teams in der Weltgruppe des Fed-Cup- beziehungsweise des Davis-Cups-Bewerbs stellt, bringt mit Blick auf Olympia in Rio auch neue Begehrlichkeiten mit sich. So wurde bereits in diversen Zeitungen, am Radio und auch im Schweizer Fernsehen über die möglichen Kontingente der Schweiz diskutiert. Schon wurde etwa von zwei Schweizer Mixed- Paarungen ­gesprochen, obwohl dies zum aktuellen Zeitpunkt eine reine Spekulation ist.

Direkt Qualifizierte und Quotenplätze

Viele «Experten» haben dabei schlicht die Selektionskriterien und Rahmenbedingungen ausgeblendet. Diese sind eigentlich ­re- lativ simpel. So gibt die IOC-Quotenplatzbestimmung vor, dass sich im Einzelbewerb jeweils 56 Spielerinnen und Spieler gemäss des ATP- beziehungsweise WTA-Rankings direkt qualifizieren. Die ITF besitzt zudem in beiden Einzelbewerben sechs Quotenplätze, die sie frei vergeben kann.

Und dem IOC fallen ebenfalls weitere zwei Quotenplätze zu, was sich dann zu einem 64er-­Tableau fügt. Im Doppel gibt es analog zum Einzel 24 direkt qualifizierte Gespanne, ­wobei die ITF acht Quotenplätze frei ver­geben kann. Im Mixed sind lediglich zwölf Paarungen direkt qualifiziert. Vier Quoten­plätze werden durch die ITF vergeben.

Zwei Schweizer Mixed-Gespanne

In eben jenem Mixed-Bewerb hoffen viele Tennisfans auf zwei Schweizer Gespanne. Dazu Alessandro Greco, Leiter Spitzensport bei Swiss Tennis: «Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Die ITF kann ja Wildcards vergeben. Würden nun beispielsweise Stan Wawrinka und Belinda Bencic oder Timea Bacsinszky zusammen spielen, so ist deren Ranking und Bekanntheitsgrad ein gutes Argument. Aber wir können das schlicht nicht abschätzen.

Olympia hat ­gezeigt, dass sich auch immer wieder Spielerinnen und Spieler für eine Mixed-Teilnahme entscheiden, die sonst nie Doppel spielen. Es kann gut sein, dass zum Beispiel Ana Ivanovic und Novak Djokovic zusammen antreten oder John Isner und Serena Williams. Das vergisst man gerne. Solch ungewohnte Paarungen sind für ein solches Turnier natürlich reizvoll.»

Klare Selektionskriterien

Auch im Bereich der Selektionskriterien sind die Rahmenbedingungen klar. Selek­tioniert werden können nur Spielerinnen und Spieler, die nach den Olympischen Spielen von London – also von 2012 bis 2016 – dreimal für ihr Land im Fed Cup oder im Davis Cup angetreten sind. Zudem muss eine dieser Teilnahmen 2015 oder 2016 erfolgt sein. Eine weitere Grundbedingung ist das gute Verhältnis mit dem nationalen und dem internationalen Tennisverband (Good Standing). Was genau ist damit gemeint? Den Passus, wonach der Verband mit den jeweiligen Spielerinnen und Spielern ein gutes Einvernehmen haben muss, relativiert Greco: «Es müssten gewichtige Gründe sein, die bei entsprechenden Leistungen zu einer Nichtselek­tion führen könnten. Es geht hier nicht um Sympathien oder Aversionen.

Eine Begründung für eine Nichtselektion könnte allenfalls sein, wenn sich der Verband mit einem Spieler oder einer Spielerin via eines finanziell ansehnlichen Vertrages die Teilnahme am Fed Cup bzw. dem Davis Cup gesichert hätte und der Athlet oder die Athletin trotz der Vereinbarung nicht angetreten ist. So etwas könnte ich mir als Grund vorstellen. Man könnte das als Fed-Cup- oder Davis-Cup-Klausel interpretieren.»

Fünf Spielerinnen und Spieler gesetzt

Die Schweizer Selektionskriterien geben vor, dass Spielerinnen und Spieler selektioniert werden, welche klares Medaillen- oder Diplompotenzial haben. Die An­forderungen verlangen, dass sämtliche Selektionierte Turniersiege auf der ATP- /WTA-Stufe ausweisen können. Für U23-Akteuere ist ein mittelfristiges Medaillen- oder Diplompotenzial vorgegeben. Hinzu kommen könnten Athletinnen und Athleten mit Potenzial für ihre persönliche Bestleistung.

Aktuell darf Swiss Tennis mit einem problemlosen Selektionsverfahren rechnen: «Als Verband gehen wir derzeit davon aus, dass Wawrinka, Federer, Bacsinszky, Bencic und Hingis die Schweiz in Rio repräsentieren werden. Chancen könnten allenfalls noch Stefanie Vögele und Romina Oprandi haben, falls diese mit herausragenden Resultaten glänzen. Allerdings müssten wir dann schauen, ob das mit den Kontingentplätzen überhaupt möglich wäre», erklärt Greco.

Wer mit wem?

Bliebt die spekulative Frage, wer der Selektionierten am Ende mit wem antreten wird. Federer/Hingis im Mixed-Doppel sind gesetzt. Doch wer bestreitet das olympische Doppel an der Seite von Martina Hingis? Und mit wem würde Stan Wawrinka im Falle eines Kontingentplatzes eine zweite Mixed-Paarung bilden – Timea Bacsinszky oder Belinda Bencic? «Wir mischen uns ­sicher nicht bei der Entscheidung ein, wer von unseren selektionierten Spielerinnen und Spielern Doppel und Mixed zusammen spielen wird.

Wir würden uns dann einmischen, wenn beispielsweise unser Topspieler oder unsere Topspielerin auf ­einer nicht selektionierten Partnerin oder ­einem Partner beharren würde. In der Regel ist es so, dass dies die Spielerinnen und Spieler problemlos selber regeln können. Und dann haben wir ja auch noch unseren Delegations-Captain Severin Lüthi, der sehr viel Erfahrung mitbringt», ist Greco zuversichtlich. 

Michael Hasler

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