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Heinz Günthardt - ein Glücksfall

Heinz Günthardt - ein Glücksfall
Seit dem Frühling 2012 ist der ehemalige Spitzenspieler und Doppelspezialist Heinz Günthardt Captain des Schweizer Fed-Cup-Teams. Nicht erst seit der jüngsten Halbfinalteilnahme seines Teams darf er auf eine enorm erfolgreiche Zeit in seinem Amt zurückblicken.

Dass er in Luzern zusammen mit seinem Team die grosse Chance verpasste, im Final gegen Frankreich antreten zu ­können, ist zwar bedauerlich, wäre aber vor einigen Jahren schlicht noch ein undenkbares Szenario für ein Schweizer Fed-Cup-Team gewesen. Mit Tschechien trafen die Schweizerinnen auf die aktuellen Titelverteidigerinnen, denen sie alles abverlangten. Dies, nachdem die Schweizerinnen erst im letzten Jahr gegen das polnische Fed-Cup-Team die lange ersehnte Rückkehr in die Weltgruppe I realisierten.

Heinz Günthardt verfügt über ein ausgezeichnetes Gespür, welche Spielerinnen in seinem Team in den entsprechenden Partien ihr Maximum abrufen können. Der ehemalige Trainer von Steffi Graf, Jennifer Capriati, Jelena Dokic und Ana Ivanovic kennt die Eigenheiten des Coachings von Frauen natürlich nur zu gut. Sein erster Coup als Captain des Fed-Cup- Teams glückte ihm im April 2012, in der Playoff-Partie gegen Weissrussland. Damals gewann Stefanie Vögele ihre beiden Einzelspiele und war drauf und dran, sich als Teamleaderin zu etablieren. Zwei Jahre später war es eine perfekt vorbereitete Timea Bacsinszky, die für ihr Team und natürlich auch für ihren Captain ihre beiden Einzelpartien gegen die Gastgeberinnen aus Polen gewann. Günt­hardts grösster bisheriger Erfolg dann zu Beginn des Jahres anlässlich der Viertelfinalbegegnung gegen Deutschland. Auch hier stellte der Captain sein Team perfekt auf die unbequemen Gegnerinnen ein. Belinda Bencic zeigte eine herausragende Leistung und gewann wie zuvor Vögele und Bacsinszky ihre beiden Einzelpartien. In Luzern schliesslich, allen Widrigkeiten zum Trotz, gewann Viktorija Golubic die beiden ersten Einzelpartien ihrer Fed-Cup-Karriere. Günthardt hat die Zürcherin zudem schon so lange ans Team herangeführt, dass sie für ihn auch als Doppelspielerin jederzeit eine Option sein kann.

Nun, was macht Heinz Günthardt zuletzt so erfolgreich? Umsichtige Planung und heraus­ragende analytische Fähigkeiten wären die naheliegende Antwort. Doch wenn man sich umhört, fällt immer wieder das Wort Vertrauen. Heinz Günthardt schafft es, seine Spielerinnen davon zu überzeugen, an sich zu glauben. Und dies in jeder Situation und bei jeder Konstellation. Hier zeigt Günthardt all seine Fähigkeiten, die er im Umgang mit den grössten Spielerinnen ihrer Zeit erlernte und schärfte.

Der Captain des Schweizer Nationalteams kennt aber auch seine Grenzen. Gefragt nach den Schwierigkeiten Timea Bacsinszkys in Luzern, sagte er nüchtern: «Ich bin kein Psychiater.» Nein, ein Psychiater ist er nicht, aber ein herausragender Motivator. Sein Mantra «Mit ­diesen Spielerinnen können wir jedes Team schlagen» hat sich in der DNA des aktuellen Fed-Cup-Ensembles festgehakt. Noch war es in diesem Jahr nur ein Mantra. Aber wer weiss, was bei einem Finaleinzug gegen die Französinnen möglich ­gewesen wäre? Nichts spricht aktuell dagegen, schon gar nicht der Captain, dass die Schweiz auch im kommenden Jahr durchaus vom Fed-Cup-Pokal träumen darf. Die Auslosung der Ausgabe 2017 findet am 20. Juni statt. 

Yves Jaton