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Die Fragezeichen durch Ausrufezeichen ersetzt

Die Fragezeichen durch Ausrufezeichen ersetzt
Den Finaleinzug verpassten sie zwar knapp, dennoch waren Roger Federer und Belinda Bencic am Hopman Cup in Perth die Hauptattraktion. Die gemeinsame Premiere machte Lust auf mehr.

Die Liebe wachse mit der Distanz, besagt ein englisches Sprichwort. Wenn dem so ist,  muss die Entfernung zwischen Perth und Roger Federer viel grösser sein als die knapp 14 000 Kilometer, welche  die Metropole an der australischen Westküste von der Schweiz trennen. Nur so ist zu erklären, dass eine regelrechte «Federer-Mania» ausbrach, als der Maestro kurz vor Jahresende nach 15 Jahren wieder einmal seine Aufwartung in Perth machte. Damals hatte er zusammen mit seiner Freundin und heutigen Gemahlin Mirka gespielt, ein Jahr vorher hatte er den Titel an der Seite von Martina Hingis gewonnen.

6000 Fans beim Gratistraining

Nun hiess seine Partnerin Belinda Bencic, die bei seinem letzten Gastspiel in Westaustralien noch den Kindergarten besuchte. Die drei Vorrundenspiele mit Schweizer Beteiligung in der wunderbaren «Perth Arena» waren trotz des Fassungsvermögens von mehr als 13500 Zuschauern im Nu ausverkauft und so entschlossen sich Federer und die Organisatoren, das erste Training bei freiem Eintritt öffentlich zu machen. 6000 Fans liessen sich dieses verspätete Weihnachtsgeschenk nicht entgehen und die ersten Eindrücke verbreiteten sich auch in Windeseile um den Globus.

Die Fragezeichen durch Ausrufezeichen ersetzt
Das kollektive Aufatmen war bis auf die Antipoden zu vernehmen. Federer war wieder fit, die sechsmonatige Zwangspause nur mehr böse Erinnerung. Wie fit, erlebte am zweiten Tag des neuen Jahres als erster Dan Evans. Der Brite war ein erster echter Test, am US Open hatte er ja in der 3. Runde gegen Stan Wawrinka Matchball gehabt, ehe der Romand den Kopf aus der Schlinge zog und später bis zu seinem dritten Grand-Slam-Titel durchmarschierte. Gegen Federer war er nun aber chancenlos: Der Baselbieter startete mit einem Ass und zündete ein stündiges Feuerwerk an Gewinnschlägen.

Danke Roger Federer, dass du der coolste Partner bist, vor allem aber das beste Vorbild

In allen Bereichen auf die Kosten kamen die Fans zwei Tage später. Federer und Alexander Zverev verlangten sich zweieinhalb Stunden lang alles ab, alle Sätze gingen ins Tiebreak. Dass er der grössten deutschen Hoffnung seit Boris Becker letztlich zum knappen Sieg gratulieren musste, konnte Federer verschmerzen: Er ging jedes Tempo mit und erhielt auch aus der Defensive mehr Sicherheiten, als er nach der sechsmonatigen Pause erwarten durfte.

Zum Abschluss folgte das Schaulaufen im Duell der mutmasslich stärksten Stilisten auf der Tour. Federer degradierte Richard Gasquet beim 6:1, 6:4 teilweise zum Statisten. Dass der Wahl-Neuenburger nicht gerade mit jeder Faser seines Körpers an die Wende glaubte, lässt sich nachvollziehen, von den letzten 17 Sätzen gegen Federer hat er keinen gewonnen. Immerhin wurde Gasquet am Tag darauf beim 2:1 im Final gegen
die USA zum grossen Spieler. Im ersten Einzel siegte er gegen Jack Sock nach abgewehrtem Matchball. 

Die Fragezeichen durch Ausrufezeichen ersetzt
Der verpasste Finaleinzug war ein Wermutstropfen, mehr nicht. Federer hatte grossen Spass auf und neben dem Platz und bewies als Zuschauer bei einem Bencic-Spiel sogar Talent als Bongospieler. Natürlich hätte er am Schlusstag gerne um den Titel gespielt, dennoch fiel seine Bilanz sehr positiv aus: «Es war eine tolle Woche und ich bin froh, dass ich drei Partien gegen unterschiedliche Spielertypen bestreiten konnte.» Auf die Frage des Platz-Interviewers, ob er 2018 wieder in Perth antreten werde, blieb Federer diplomatisch: «Eines kann ich sagen: Ich werde nach Perth zurückkommen.»

Aufwärtstrend auch bei Bencic 

Belinda Bencic ist es oft an der Mimik anzusehen, ob es ihr gut läuft oder nicht. Auch sie lachte viel, genoss die entspannte Atmosphäre und ging in ihrer Rolle als begehrteste Frau des Turniers auf. Auch sportlich war die Woche ein voller Erfolg, nachdem sie seit vergangenem Juni in
elf Turnieren nur gerade vier Matches gewinnen konnte. Mit Siegen gegen Heather Watson und Andrea Petkovic tankte sie etwas Selbstvertrauen und bei den Mixed-Partien gegen England und Deutschland trumpfte sie sogar gross auf. Einzig bei der Niederlage gegen ihre Freundin Kristina Mladenovic war sie zwischendurch genervt, einmal unterzog sie ihr Racket sogar einem Belastungstest über fast zehn Meter.

Es war eine tolle Woche und ich bin froh, dass ich drei Partien gegen unterschiedliche Spielertypen bestreiten konnte

Vor allem zeigte sie, die zuletzt in Florida trainierte und ohne Vater Ivan nach Australien gereist ist, immer wieder ihr erfrischendes Lachen, das zuletzt eher selten geworden war. Natürlich lag dies auch an ihrem Partner, dem sie nach Turnierende auf den sozialen Medien so dankte: «Ich bin so traurig, dass der Hopman Cup schon vorbei ist, aber es war eine unvergessliche Woche. Danke Roger Federer, dass du der coolste Partner bist, vor allem aber das beste Vorbild.» Eine Wiederholung der Partnerschaft im nächsten Jahr würde nicht nur Belinda Bencic freuen.

Die Fragezeichen durch Ausrufezeichen ersetzt
Ganz überstanden ist die Odyssee für Belinda Bencic aber noch nicht: Unmittelbar vor Redaktionsschluss musste sie in Sydney gegen die Kasachin Yulia Putinzewa beim Stande von 4:6, 3:2 wegen eines gebrochenen Zehennagels aufgeben.

Marco Keller