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Match-Report: Mut und Risiko nicht belohnt
Lucas Orellano
Von Lucas Orellano
lucas.orellano@sportal.email
 
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Match-Report: Mut und Risiko nicht belohnt
Es war das Duell zwischen dem Aufsteiger der letzten Monate und einem Veteranen, der nach einer Verletzungspause zurückkehrte. Die Partie zwischen Grigor Dimitrov (ATP 15) und Rafael Nadal (ATP 9) hielt dann auch über weite Strecken, was sie versprochen hatte. Besonders im vierten und fünften Satz gab es teilweise fantastisches Tennis zu sehen. Rafael Nadal setzte sich schliesslich nach beinahe 5 Stunden durch, indem er seinen dritten Matchball verwertete. Somit wurde Grigor Dimitrov für sein riskantes und offensives Spiel von der Grundlinie nicht belohnt.

 

Match-Report: Mut und Risiko nicht belohnt

Von der Grundlinie:

Beide Spieler zeigten von der Grundlinie unglaubliche Punkte, aber auch ebenso unglaubliche Fehler. Dimitrov präsentierte sich äusserst risikobereit und schlug 79 Winner, was gegen einen Nadal, der sich normalerweise äusserst gut bewegt, eine fantastische Leistung ist. Doch ihm unterliefen auch 69 unerzwungene Fehler, obwohl da die Fehler gar nicht mitgezählt werden, bei denen ihn der Spanier unter Druck gesetzt hatte. Ein wichtiger Unterschied in den Ballwechseln war, dass sich Nadal immer wieder befreien konnte wenn er unter Druck war. Dimitrov gelang dies nur selten. Gerieten seine Schläge zu kurz, ging Nadal sofort ins Feld hinein und holte sich den Punkt. Das Einzige, worauf der Bulgare hierbei hoffen konnte, war auf einen Fehler Nadals.

Dimitrov versuchte daher Nadal davon abzuhalten sein Offensivspiel aufzuziehen. Das tat er immer wieder mit dem Rückhand Slice, zu Beginn nur mit mässigem Erfolg. Im ersten Satz machte er damit noch viele Fehler, aber im späteren Verlauf des Matches wurde dieses taktische Mittel zu einer erfolgreichen Variante. Dafür übertrieb er es mit dem Rückhand Topspin zeitweise etwas. Am Anfang landeten noch fast alle im Feld, aber die Präzision nahm ab und nachdem der 25-jährige ein paar Backhands neben die Linien gesetzt hatte, nahm er nicht unbedingt Tempo raus, aber gab sich mehr Marge. Von da an machte er zwar nicht mehr viele direkte Punkte mit der Rückhand, spielte damit aber so druckvoll und solid, dass er Nadal immer wieder in Schwierigkeiten brachte.

 

Match-Report: Mut und Risiko nicht belohnt

Dieser spielte wie immer ein extrem grundlinienlastiges Spiel. Das funktionierte zwischenzeitlich aber überhaupt nicht, besonders im zweiten Satz, als ihm die Länge in den Schlägen fehlte und er von Dimitrov fast weggeschossen wurde. Dementsprechend hätte auch Satz 3 an Dimitrov gehen sollen, der viel mehr für das Spiel tat, dafür aber nicht belohnt wurde, weil er in den entscheidenden Phasen im Angriff zu viel wollte und einige leichte Fehler beging. Nadal fing sich dann aber rechtzeitig wieder, was aufgrund des ausbleibenden ersten Services sehr wichtig war, und blieb für den Rest des Matches leicht weniger anfällig auf Fehler als sein Gegner.

 

Match-Report: Mut und Risiko nicht belohnt

Beim Service:

Den Übernamen “Baby-Federer” ist Grigor Dimitrov noch nicht so richtig losgeworden. Heute zeigte er immer wieder, warum der Name auch passt: Nicht nur wegen der Eleganz und Technik des Bulgaren, sondern auch wegen der Fähigkeit, sich in schwierigen Situationen mit dem Service zu befreien. Diese Fähigkeit fehlte Nadal heute. Wenn wir uns ansehen wollen, warum Nadal den ersten Satz gewann und den zweiten verlor, können wir einen Blick auf die Servicestatistik werfen: In beiden Sätzen waren ca. 70% der ersten Services im Feld, aber im zweiten Satz machte er dabei nur 50% der Punkte - im ersten waren es noch 90% gewesen. Für den Rest des Matches blieb seine Leistung beim Aufschlag auf konstant schwachem Niveau, wobei die Services auf den Körper noch die stärkste Waffe waren. Gratispunkte holte er sich damit aber keine mehr.

Er retournierte dafür relativ aggressiv, was Dimitrov überhaupt nicht behagte. Besonders auf die langen, hohen Returns in die Mitte, die er mit extra viel Spin schlug, wusste der Bulgare wenig zu antworten.

Am Netz:

Dimitrov war im ersten Satz quasi nie am Netz - Nadal liess das auch nur selten zu - nur einmal als Verzweiflungstat beim Stand von 2:1 - worauf er prompt den Service das erste Mal abgab. Man konnte in der Situation schön sehen, dass man nicht einfach planlos ans Netz vorstossen kann, um die Punkte zu verkürzen, besonders nicht gegen Rafa. Was das anging, besserte sich Dimitrovs Bilanz aber. Im gleichen Masse wie Nadal beim Service und in den Ballwechseln zurücksteckte, steigerte sich der Bulgare am Netz. Besonders im zweiten, dritten und fünften Satz war er dort äusserst erfolgreich - umso bitterer, dass er von diesen drei zwei verlor. Nadal war auch öfters vorne anzutreffen, allerdings eher, um einen Punkt abzuvollieren, den er schon mit dem explosiven Angriffsball gewonnen hatte. Dadurch erklärt sich auch, warum Nadal vorne weniger Fehler machte, als sein Gegner (86% vs. 75% der Punkte am Netz verwertet).

 

Match-Report: Mut und Risiko nicht belohnt

Mental:

Gegen Rafa Nadal ist man mental eigentlich immer im Nachteil. Es ist eine grosse Stärke des Spaniers, jeden Punkt so anzugehen, als wäre es der wichtigste des Turniers und dabei nie nachzulassen. Heute zeigte er aber auch etwas mentale Schwäche. Er liess sich durch eine Time Warning des Schiedsrichters verunsichern und gab den Service zum 1:3 im zweiten Satz zu Null ab. Dann folgten zwei kuriose Breaks: zunächst flatterten Dimitrovs Nerven beim Aufschlag, worauf er einen Doppelfehler servierte, dann tat es ihm Nadal postwendend gleich und gab ihm das Break zurück.

Entscheidend Einfluss auf den Ausgang der Partie hatte wohl auch die längere Pause gegen Ende des dritten Satzes, als ein Zuschauer medizinisch betreut werden musste. Nadal ging clever damit um und hielt sich mit ein paar lockeren Services warm, während Dimitrov nur herumstand und nicht recht wusste, was er tun sollte. In solchen Situationen ist es meist derjenige, der sich warm gehalten hat, der das Spiel fokussierter wieder aufnimmt. Und prompt holte sich Nadal locker das Game zum 6:6 und erzitterte sich den Satz im Tiebreak.

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