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Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch
Lucas Orellano
Von Lucas Orellano
lucas.orellano@sportal.email
 
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Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch
Das Drehbuch für die Begegnung sah eigentlich vor, dass Nadal die langen Ballwechsel suchen und dominieren würde, während Federer versucht, mit seinem variablen und verlässlichen Service dagegen zu halten. Nadal würde versuchen, mit viel Spin und Länge auf die Rückhand Federers zu spielen und ihn so zu Fehlern zu zwingen. So war es in den bisherigen 34 Duellen fast immer gewesen. Nur: heute entwickelte sich ein ganz anderes Spiel. 

Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch

Von der Grundlinie: Aggressiv und riskant

Das Match begann zunächst aber noch typisch. Federer suchte die Initiative, und zwar vehement, Nadal spielte fast alles auf dessen Rückhand. Was den Spanier aber nachdenklich stimmen musste, war, dass Federer ihn in den Ballwechseln dominierte. Das war so nicht zu erwarten gewesen. Vor allem mit der Rückhand spielte Federer enorm sicher und druckvoll, was seinem Gegner überhaupt nicht passte, denn das brachte seinen ganzen Spielplan durcheinander, der ja im Wesentlichen daraus besteht, Federer auf der Rückhand wegzudrücken.

Ein Paradeschlag Federers, die Vorhand inside-out aus der Rückhandecke, funktionierte dafür das ganze Spiel hindurch nicht. Umlief er seine Rückhand, machte er in der Regel den Fehler oder brachte sich in eine so schlechte Position, dass Nadal in den Ballwechsel zurückkehren konnte. Umlief er sie nicht, gelangen ihm teilweise unglaubliche Punkte.

 

Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch

Nadal blieb, über das ganze Spiel gesehen, extrem passiv. Beim Stand von 5:3 im ersten Satz machte er seinen zweiten Winner, Federer hatte da schon über 10. Allerdings brachte es das offensive Spiel des Schweizers mit sich, dass er immer wieder unerzwungene Fehler machte. Es war besonders in einer Phase im vierten und zu Beginn des fünften Satzes streckenweise katastrophal, wie oft und vor allem wie weit Federer teilweise auch einfache Bälle ins Aus schlug. Glücklicherweise fand er aus diesem Loch wieder hinaus und konnte den Satz noch drehen.

In dieser Phase machte Nadal einen enorm abgekämpften Eindruck. Er lief noch, war aber längst nicht mehr so spritzig wie zu Beginn und musste sich beim Stand von 1:2 im letzten Durchgang sogar übergeben. Federer dagegen war die Anstrengung kaum anzumerken.

Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch
Beim Service: Achterbahnfahrt

Für Nadal liefs in den Ballwechseln gar nicht, wo er Federer die Initiative nie wirklich entreissen konnte und auf Fehler des Schweizers hoffen musste. Dafür funktionierte sein Service tadellos. Ganz besonders im fünften Satz war das augenscheinlich: Federer konnte nur zwei Breakbälle von 11 verwerten - das sind 18%. Nadal servierte in der Phase zwar kein einziges Ass, konnte den Aufschlag aber raffiniert auf den Körper Federers drehen, der damit überhaupt nicht umgehen konnte und sie Mal um Mal verschlug. Beim ersten Service machte er im 5. Satz zwar nur jeden zweiten Punkt, aber eben die, auf die es ankam.

 

Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch

Federers Aufschlag war eine komplette Wundertüte, und der Basler konnte froh sein, dass sein Timing und seine Beinarbeit bei den Grundschlägen so gut waren. Nur auf den Service konnte er sich nämlich nicht verlassen. Da gab es einerseits Sätze, wie den ersten, wo er sage und schreibe 93% aller Punkte machte, wenn der erste Service im Feld gewesen war. Andererseits Abschiffer, wie der zweite Satz, in dem sich die Quote plötzlich auf 56% senkte, in dem ihm keine Asse gelangen, aber zwei Doppelfehler unterliefen.

Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch

Beide versuchten, aggressiv zu retournieren. Federer macht das ohnehin fast immer, und Nadal schien seine Lektion aus dem Dimitrov-Match gelernt zu haben. Hin und wieder liess er sich aber auch zurückfallen, umlief den Service und spielte ihn hoch in die Mitte und an die Grundlinie. Das war zwar keine schlechte Idee, um Abwechslung ins Spiel zu bringen, war aber nicht sonderlich effektiv.


Am Netz: solid, aber nicht überragend

Gegen Rafael Nadal ans Netz zu kommen, ist kein grosser Spass. Die Angriffsbälle müssen dafür gut sitzen und selbst dann gibt es noch keine Garantie, dass der Mallorquiner nicht einen seiner berüchtigten Passierbälle auspackt. Roger Federer gelang das allerdings ganz leidlich. Zu Beginn des Spiels hielt er sich mit den Netzangriffen noch zurück, legte in dem Bereich aber zu. Serve-and-Volley, was er gelegentlich einstreute, blieb jeweils erfolglos, dafür retournierte Nadal zu gut.

 

Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch

Mental: leichte Vorteile

Ein Duell zweier Spieler, die sich so gut kennen, wird zu einem grossen Teil auf der mentalen Ebene gewonnen. Eigentlich hätte in dem Bereich der Vorteil bei Rafael Nadal gelegen, ging er doch mit einer 9:2-Bilanz an Grand-Slam-Turnieren in den heutigen Final. Federers Eigenart, gegen Nadal viele unerzwungene Fehler zu machen, hängt sehr stark damit zusammen, dass der Spanier so viel zurückbringt und ein Meister darin ist, kleine Schwächen des Gegners sofort auszunutzen. Denn so zwingt er Federer jeweils dazu, noch ein bisschen mehr Gas zu geben, was schon öfter in einem Debakel geendet hat. Nicht so heute. Federer gelang es früh zu etablieren, dass er in den Ballwechseln der Chef auf dem Platz war. Sein Service war zwar nicht durchwegs überragend, aber daran konnte er sich aufbauen.

 

Essentiell war das erste Game des dritten Satzes. Federer hatte 40:0 geführt, aber Nadal kam dann irgendwie doch noch zu Breakbällen, total drei. Und alle wehrte Federer mit Assen ab. Das Game zog sich in die Länge und ging dann doch noch an den Schweizer, was mental extrem wichtig war. Mit dem Erfolgserlebnis im Rücken sicherte er sich gleich das Break und zog schnell auf 5:1 davon.

Ein Auf und Ab, aber nicht nach Drehbuch

Im fünften Satz stand Nadal permanent unter Druck. Weil er in jedem Servicegame Breakbälle gegen sich hatte, kam er nie wirklich zur Ruhe. So servierte er dann im ganzen Satz zwei Doppelfehler, einer davon führte zu einem Breakball, den Federer auch verwerten konnte. Mit dem Publikum im Rücken legte der 35-jährige beim Aufschlag wieder zu und holte sich den Match mit insgesamt drei Assen im letzten Game. Da war für Rafa dann nichts mehr zu holen.

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