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Vom Wunderkind zur Grande Dame

Vom Wunderkind zur Grande Dame
Mit Martina Hingis verabschiedet sich eine herausragende Schweizer Sportlerin. Die 37-Jährige hat 23 erstaunliche Profijahre hinter sich.

Jüngste Spielerin aller Zeiten an WTA-Spitze

Als Martina Hingis 1994 ihren ersten Match auf der WTA-Tour bestritt, hatte sie wenige Tage zuvor ihren 14. Geburtstag gefeiert. In der Zürcher Saalsporthalle gewann sie sicher gegen die amerikanische Top-50-Spielerin Patty Fendick. Und auch in den folgenden Monaten wurde sie ihrem Status als "Wunderkind" gerecht. Bereits 1997 setzte sich die von Mutter Melanie Molitor trainierte Ausnahmekönnerin an die Spitze des WTA-Rankings - als jüngste Spielerin aller Zeiten.

Vom Wunderkind zur Grande Dame
An das "Wunderkind" erinnerte wenig, als Hingis in Singapur ihren endgültigen Abschied von der Tour bekannt gab. Über die Jahre hinweg hat sich die Ostschweizerin vom grossen Talent zu einer Art "Grande Dame" des Tennis' gewandelt. Der Fokus lag im letzten Drittel ihrer Karriere ausschliesslich auf dem Doppel. Sie bestritt ihre Partien nicht mehr mit der gleichen Verbissenheit wie einst. Erfolge feierte sie trotzdem: Nach ihrer zweiten Rückkehr auf die Tour gewann sie im Mixed (mit Jamie Murray und Leander Paes) und Doppel (mit Chan Yung-Jan und Sania Mirza) zehn Major-Titel.

Tennis-Ehrgeiz ging nie verloren

Ihren Ehrgeiz hat Hingis nie verloren, doch die Breitschaft dem Tennis alles unterzuordnen war nach den erfolgreichen und auch von Verletzungen geprägten ersten Jahren weg. Ihre fünf Grand-Slam-Titel im Einzel gewann sie zwischen 1997 und 1999. In dieser Phase war der Teenager das Mass aller Dinge. Neben drei Titeln am Australian Open und je einem in Wimbledon und beim US Open gewann Hingis bis zu ihrer ersten Auszeit 2002 weitere 35 Turniere im Einzel. Während 209 Wochen war sie die Nummer 1 der Welt.

Ab 2000 machten der taktisch und technisch ausgesprochen starken Hingis die aufkommenden Power-Spielerinnen um die Williams-Schwestern zu schaffen. Doch vor allem Verletzungen warfen sie zurück und verhinderten, dass sie ihr Niveau halten konnte. Nach Operationen an beiden Füssen gab sie im Februar 2003 ihren Rücktritt bekannt. Für über drei Jahre blieb die Niederlage gegen die Russin Jelena Dementjewa im Herbst 2002 in Filderstadt ihre letzte Partie auf der WTA Tour.

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Bei ihrem Comeback zu Beginn der Saison 2006 lief es Hingis zu Beginn ausgesprochen gut. Sie spielte sich bis auf Platz 6 der Weltrangliste, litt aber im darauffolgenden Jahr immer wieder unter Verletzungen. Schliesslich folgte im November 2007 der zweite Rücktritt, nachdem die damals 27-Jährige wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt worden war. Hingis wurde eine sehr geringe Menge Kokain im Urin nachgewiesen.

Hingis erfuhr nie die gleichen Sympathie-Werte wie Federer oder Wawrinka

Obwohl Hingis das Schweizer Tennis Ende der Neunzigerjahre auf ein ganz neues Niveau hob, flogen ihr die Herzen nie im gleichen Masse zu wie etwa Roger Federer oder Stan Wawrinka. Bloss einmal, 1997, wurde sie Schweizer Sportlerin des Jahres. Die Frühreife wirkte oft etwas verbissen und unnahbar. Erst im letzten Drittel ihrer Karriere, als sie sich ganz dem Doppel verschrieben hatte, wirkte sie gelöst. Ein sowohl emotionales als auch sportliches Highlight war der Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 an der Seite von Timea Bacsinszky.

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Dass Hingis zu den ganz Grossen der Tennis-Geschichte gehört, ist schon seit Jahren klar. Bereits 2013 wurde sie in die Hall of Fame aufgenommen. Bei Auflistungen der wichtigsten Spielerinnen aller Zeiten fehlt sie so gut wie nie. Und als Publikumsmagnet wirkte sie auch noch als Doppel- oder Mixed-Spielerin. Obwohl sie nach dem furiosen Karrierestart Rückschläge hinnehmen musste, fand sie ihren Weg. Sie verabschiedete sich mit der Referenz von 25 Grand-Slam-Titeln und als Nummer 1 der Doppel-Weltrangliste.