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Beim Rafa-Jahr war alles Roger, doch Verletzungswelle wirft Fragen auf
Damian Möschinger
Von Damian Möschinger
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Beim Rafa-Jahr war alles Roger, doch Verletzungswelle wirft Fragen auf
Die Einzel-Turniere für das Tennisjahr 2017 sind beendet. Was haben wir alles aus dieser Saison gelernt? Wir präsentieren euch mit der Hilfe  von zehn Fakten einen Rückblick über dieses Jahr. 

1. Bei Roger ist immer noch alles mehr als nur Roger

Was soll man über diesen Mann noch alles schreiben? Um ihn zu ehren, müsste man den Namen "Federer" in den Duden aufnehmen und zwar mit der Definition, dass es etwas ist, was zwar von einem Menschen produziert wurde, aber eigentlich nicht von dieser Welt sein kann. Roger Federer hat schon so viel in seiner Karriere erreicht, doch was er diese Saison produziert hat, ist kaum in Worte zu fassen. Zwei Grand-Slam-Titel (Australian Open und Wimbledon), drei Masters1000er (Indian Wells, Miami, Shanghai) und zwei weitere Turniere (Halle und Basel) konnte der Maestro für sich entscheiden. Zusammen sind das sieben Turniersiege, die er dieses Jahr einheimsen konnte und was das ganze noch bemerkenswerter macht, ist die Tatsache, dass er die ganze Sandplatz-Saison ausgelassen hat. Seine Planungs-Künste suchen seinesgleichen und wenn er diese Form auch für 2018 konservieren kann, dann ist der Tennis-Thron wohl nur noch eine Frage der Zeit.

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2. Verletzungsanfälligkeit ist beängstigend

Die World Tour Finals ohne Djokovic, Murray und Wawrinka? Letztes Jahr wäre dieses Szenario noch unvorstellbar gewesen, doch ein Umstand hat es Realität werden lassen; die Verletzungshexe. Diese hat in dieser Saison besonders gross gewütet, mussten doch nebst den drei erwähnten Stars auch noch die Top-10-Spieler Nishikori und Raonic die Saison vorzeitig beenden. Zusätzlich dazu musste Marin Cilic während der Saison eine längere Verletzungspause einlegen und auch Rafa Nadal konnte an den Finals nur ein Spiel bestreiten, bevor auch er wegen einer Verletzung vorzeitig in den Urlaub fahren musste. Auch andere Spieler wie beispielsweise Nick Kyrgios haben die Saison wegen Verletzungsproblemen abbrechen müssen.

Diese Verletzungsanfälligkeit bei den Top-Spielern sollte doch nachdenklich stimmen und darüber wird sich sicherlich auch die ATP so ihre Gedanken machen. Es wurden schliesslich schon seit längerem Stimmen darüber laut, dass der ATP-Kalender viel zu voll sei und Top-Turniere zu nahe beieinander liegen würden. Man darf gespannt sein, ob das Jahr der Verletzungen nun für einen Umschwung sorgen wird.

Beim Rafa-Jahr war alles Roger, doch Verletzungswelle wirft Fragen auf
3. El Matador hat den Stier bei den Hörnern gepackt

Bei aller überschwänglichen Freude über das Traumjahr von Roger Federer darf ein Mann natürlich auf keinen Fall vergessen werden; nämlich der momentane König des Tennis, Rafael Nadal. Seine Zahlen 2017 lesen sich ähnlich beeindruckend wie jene des Schweizer Superstars. Ebenfalls zwei Grand-Slam-Titel (French Open und US Open), zwei Masters1000er (Monte-Carlo und Madrid) und zwei weitere Titel (Barcelona und Bejing) und damit sechs Turniersiege zieren sein Tennisjahr. Als Krönung dann auch noch die Erklimmung der ATP-Ranglisten-Spitze. Rafa hat dieses Jahr am meisten ATP-Punkte gesammelt und den Tennis-Thron damit verdient für sich eingenommen. Was ihn bestimmt etwas fuchsen wird, sind die Direktbegegnungen mit Roger Federer, hat er doch alle vier Partien in diesem Jahr verloren. Leider schlug, wie bereits oben erwähnt, auch bei ihm die Verletzungshexe zu und verhinderte eine mögliche Krönung an den ATP World Tour Finals in London. Macht er nächstes Jahr in diesem Stil weiter, dann wird es wohl noch mehrere (epische) Fights zwischen ihm und Federer zu bestaunen geben. 

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4. Ein neuer Event mit viel Potenzial

Dieses Jahr gab es im Männer-Tennis-Zirkus einen neuen Event zu bestaunen. Die Rede ist vom Laver Cup, dessen Erstaustragung in Prag stattfand. An diesem Turnier, welches vergleichbar mit dem Ryder Cup im Golf ist, traf das Team Europe mit sechs Topspielern (Federer, Nadal, Zverev, Thiem, Cilic und Berdych) auf das Team World (mit Sock, Kyrgios, Querrey, Isner, Shapovalov und Tiafoe). Die beiden Teamcaptains waren dabei niemand geringeres als die beiden Tennis-Legenden Björn Borg (Team Europe) und John McEnroe (Team World). 

Der Event konnte als grosser Erfolg eingestuft werden, sorgte er doch für viel Spektakel und noch mehr gute Laune. Vor allem das Doppel Fedal (Federer/Nadal) sorgte beim Publikum für Begeisterung. Aus Schweizer Sicht das i-Tüpfelchen war natürlich der entscheidende Einzelsieg von King Roger gegen Bad Boy Kyrgios, mit welchem er den Laver-Cup-Triumph für das Team Europe perfekt machte. Der Laver Cup ist ein Turnierformat, welches viel Potenzial birgt und auf welches wir uns auch im nächsten Jahr freuen dürfen. 

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5. Ohne Serena ist die WTA völlig offen

In der WTA wurde das Tennisjahr von einer Frau geprägt, die die meiste Zeit absent war. Die Rede ist von Serena Williams, welche in diesem Jahr ihr erstes Kind auf die Welt gebracht hat. Trotzdem hat sie an den Australian Open den Titel errungen, als sie im Finale ihrer Schwester Venus keine Chance liess. Kurz darauf verkündete sie, dass für sie das Jahr gelaufen sei und damit sorgte sie für eine regelrechte Flut an potenziellen Grand-Slam-Siegerinnen. 

Die restlichen drei Grand Slams wurden demnach wenig überraschend von drei verschiedenen Spielerinnen gewonnen. Namentlich sind dies Ostapenko, Muguruza und Stephens. An den Finals zum Schluss siegte Wozniacki. Auf dem Tennis-Thron zum Saisonende sitzt jedoch eine Frau, die bisher noch keinen Grand-Slam-Titel erringen konnte; die Rumänin Simona Halep, welche am meisten WTA-Punkte in diesem Jahr sammeln konnte. All diese verschiedenen Siegerinnen zeigen, dass eine WTA ohne Serena Williams plötzlich offen wie ein Scheunentor ist. Mit der Rückkehr von Serena Williams nächstes Jahr dürfte sich dieses Scheunentor wohl wieder ziemlich verschliessen. 

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6. Der Baby-Federer wird erwachsen

Der Bulgare Grigor Dimitrov wird schon seit Jahren als zukünftige Nummer Eins gehandelt. Obwohl er schon in vergangenen Jahre Turniersiege sammeln konnte, so scheint 2017 sein ganz grosses Durchbruchs-Jahr gewesen zu sein. Vier Turniersiege konnte er sammeln, wobei natürlich der Sieg an den ATP World Tour Finals in London alles überstrahlt. Der Baby-Federer, wie er in Anlehnung an den ähnlich grazilen Spielstil genannt wird, scheint erwachsen geworden zu sein. Dies belegt auch das aktuelle ATP-Ranking, in welchem er mit dem dritten Platz sein Karrierehoch erlangt hat. Wenn er diese Leistungen auch im nächsten Kalenderjahr bestätigen kann, dann wird er seinen Vorschusslorbeeren als zukünftige Nummer Eins vielleicht doch noch gerecht werden. 

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7. Die Grande Dame sagt Adieu

Martina Hingis hat im Alter von 37 Jahren ihren Rücktritt aus dem Spitzensport bekannt gegeben. Die Grande Dame des Tennis hat eine grosse Karriere, welche mit vielen Hochs und auch ein paar wenigen Tiefs gespickt war, hinter sich gebracht. Atemberaubende 25 Grand-Slam-Titel (5 im Einzel, 13 im Doppel und 7 im Mixed) hat sie eingeheimst. Während sie schon seit Längerem keine Einzel mehr bestritten hat, so war sie im Doppel auch in diesem Jahr absolute Weltklasse. Insgesamt gelang es ihr gleich drei Grand-Slam-Titel zu erobern (eines im Doppel, zwei im Mixed). Sie tritt nun auf dem Höhepunkt ihrer Doppelkarriere (als Nummer Eins in der Doppel-Wertung) ab, wofür ihr der grösste Respekt gebührt. Wir sagen: Danke Martina, dass du uns so viel Freude gebracht hast und wir wünschen dir für deine Zukunft nur das Beste!

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8. Die jungen Wilden sorgen für Ausrufezeichen 

Die sogenannte "Next Generation" hat dieses Jahr für vereinzelte Ausrufezeichen gesorgt. Bei den Männern werden einem vor allem die Namen Shapovalov, Rublev, Tiafoe und Chung in Erinnerung bleiben. Natürlich gehört Alexander Zverev vom Alter her auch noch in diese Sparte, doch er ist von der Klasse und Persönlichkeit her schon einen ganzen Schritt weiter und reifer. Als Saisonhighlights dieser jungen Garde können einerseits der Sieg von Shapovalov gegen Nadal (und der spätere Einzug ins Halbfinale) am Rogers Cup und andererseits der Viertelfinaleinzug von Rublev an den diesjährigen US-Open eingestuft werden. Auch Tiafoe, welcher bereits Federer in Bedrängnis bringen konnte und Chung, der Sieger der Next Gen ATP Finals, haben für Furore gesorgt. Die Wege dieser Spieler darf mit Spannung verfolgt werden.

Bei den Frauen muss man unbedingt den weiteren Karriere-Verlauf von Ostapenko, Barty und Kasatkina beobachten. Die Lettin Jelena Ostapenka hat mit ihrem French-Open-Triumph für einen richtigen Paukenschlag gesorgt und definitiv für DAS Highlight aller Next Gen Players gesorgt. In der Weltrangliste ist die erst 20-jährige Newcomerin des Jahres bereits auf dem siebten Platz klassiert und bei ihr stellt sich wohl nicht die Frage, ob, sondern nur wann sie den Tennis-Thron erklimmen wird. Mit Barty und Kasaktina sind zwei weitere junge Talente bereits in den Top-25 der Welt vertreten. Aus Schweizer Sicht hofft man natürlich auf eine starke Rückkehr von der in letzter Zeit zu oft verletzten Belinda Bencic, welche definitiv ebenfalls das Potenzial für Grand-Slam-Erfolge mitbringt. Auf all diese Spielerinnen gilt es auch in der nächsten Saison ein besonderes Augenmerk zu legen.

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9. Revolution im Tennis mit neuen Regeln?

An den Next Gen ATP Finals wurden von der ATP verschiedene Neuerungen, die ins offizielle Regelwerk übernommen werden könnten, getestet. Vor allem diese vier Neuerungen könnten das Tennis revolutionieren:

1. Der Vorteil bei 40:40 (Advantage) fällt weg. Nach dieser Regel würde der Spieler, welcher zuerst vier Punkte gewinnt, das Game für sich entscheiden. Damit gäbe es definitiv keine zehnminütigen Games mehr, was dem Tennis jedoch auch seine monumentalen Schlachten wegnehmen würde.

2. Spielsätze gehen nur noch auf vier Games. Ein Tiebreak würde demnach schon bei 3:3 anfallen. Dafür bräuchte es für den Sieg nicht mehr zwei, sondern drei Gewinnsätze. Diese Änderung soll insbesondere bei Grand Slams für noch mehr Spannung und Nervenkitzel sorgen, ausserdem wäre der Überraschungsfaktor deutlich erhöht.

3. Eine einsehbare Spieluhr, um Pausen über 25 Sekunden zu verhindern. Mit Hilfe dieser Regel soll eine enorme Zeitersparnis bringen. 

4. Aufschläge, die die Netzkante berühren, aber noch im Servicefeld landen, sollen ausgespielt werden.

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10. Keine dominierende Tennis-Nation mehr

Wenn man sich die aktuellen ATP- und WTA-Ranglisten zu Gemüte führt, dann fällt einem sofort auf, dass viele verschiedene Nationen in den vorderen Rängen vertreten sind. Bei den Männern sind von den Top-8 alles verschiedene Nationen vertreten und ingesamt sind es 14 verschiedene Nationalitäten in den Top-20 der ATP-Rangliste. Spanien und die USA haben mit drei Spielern am meisten Top-Spieler vertreten, danach folgen bereits die Schweiz und Frankreich mit je zwei Spielern. 

Bei den Frauen sieht es ähnlich aus. Von den Top-9 der WTA-Rangliste besitzt jede Einzelne einen anderen Staatspass und aus den Top-20 gibt es 13 verschiedene Nationalitäten. Auch hier hat die USA mit vier Spielerinnen am meisten Athletinnen vertreten. Dieser Mix von verschiedenen Nationen kann für diese Weltsportart nur von Vorteil sein und an dieser Tatsache wird sich wohl auch nächstes Jahr nicht viel ändern.

Beim Rafa-Jahr war alles Roger, doch Verletzungswelle wirft Fragen auf
Was bleibt, ist ein spannendes Tennisjahr 2017, was vor allem vielen Federer- und Nadal-Fans in bester Erinnerung bleiben wird. Um euch bereits jetzt auf den Geschmack fürs nächste Jahr zu bringen, zeigen wir euch im Video noch die besten Tennis Rallies der ATP 2017.